Eigenbau Direkttriebler ESD900 mit neuer Motorplatine

….beim Experimentieren mit verschiednen Laufwerktypen stolpert man eher oder später auf das Direktantriebskonzept, d.h. der Plattenteller sitzt direkt auf dem Motor. Kein Riemen, kein Reibrad – Motor und Plattenteller bilden eine Einheit.

Ein bekanntes Prinzip mit einer Menge von Vorzügen, aber auch nicht unumstritten.

Eigentlich war ich mit allen bisherigen Laufwerks-Typen zufrieden und überrascht, was bei der richtigen Kombination mit jedem Laufwerkstyp möglich ist.

Bis mich vor einigen Monaten ein guter Freund mt der Nase auf den Direktantrieb  stiess und seinen Eigenbau vorführte.
Nicht schlecht, lautloser Lauf, in kürzester Zeit auf Nenndrehzahl, erstaunliche Drehzahlkonstanz und Gleichlauf. Und klanglich an einem SME V über jeden Zweifel erhaben.

Aber: das Geheimnis war unter anderem eine neu entwickelte Motorelektronik, die dem Antrieb (ESD900) neues Leben einhauchte.
Aber die Behauptung, dafür einen Profispieler ala EMT ins Regal gestellt zu haben, wollte ich nicht so recht glauben.

Da mir die Platine von Björn freundlicherweise zum Materialpreis überlassen wurde – Danke Björn !! – ging es an die Konzeption und ans Werk.

DUAL ESD900 D3C3751

 

Was war vorhanden:

ESD 900 Motor
Motorelektronik
– selbst gestricktes 100Hz Stroboskop
– Netzteil mit 24V
SME Tonarm Serie III mit ADC25 – 27 Systemserie
Multiplexreste aus dem Boxenbau
Corianplatte zum Experimentieren
– diverse elektrische Kleinteile

Das Konzept:

Der Motor und Teller bilden eine Einheit und zählen zu den „Leichtfüsslern“, wenn der Begriff hier erlaubt ist.
Also sollte auch eine leichter Arm und ein System mit hoher Comliance her. Der sollte ausschliesslich an die Deckplatte gekoppelt und diese vom restlichen Chassis entkoppelt werden.

Gleichzeitig sollte der Motor nach den guten Erfahrungen vom Lencoaufbau in einem Massivchassis optimal entkoppelt werden. Dazu bot sich ein eigenes Schichtensystem an.

Deckschicht 1: Corianplatte mit Aufnahme Tonarm und Bedienung
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Schichtplatte 2: Multiplex 24mm mit Auschnitt Tonarm, Motor, Motorplatine und Elektrik sowie Stroboskop LED und Aufnahme von 3 speziellen Dämpfern

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Schichtplatte 3: Multiplex 24mm mit Aufnahme des Motors über Gummipufferträger M4. Der Motor ist höhenverstell- und justierbar

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Schichtplatte 4: Multiplex 24 als Tragplatte und Erhöhung der Masse

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Schichtplattenrahmen: Aufnahme der 3 Höhenverstellbaren Füsse.

In Ruhe geplant wurde alle Einzelteile mit einer Oberfräse ausgearbeitet, mit einer Kleinfräse diverse Kopierschablonen gefertig und das Ganze zusammen gebaut.

Hier sieht man die speziellen Dämpfer, die die Corianplatte vom Chassis entkoppeln. Es entsteht ein gewollter Luftspalt, den Tonarm „schwebt“ mit der Corianplatte über dem Restchassis.

DUAL ESD900 D3C3780

Schliesslich wurde noch ein bisschen Bedienelektronik (ein/aus; Geschwindigkeitswahl; zuschaltbares Stroboskop; pitch-Regelung) aufgebaut und fertig war das gute Stück.

DUAL ESD900 D3C3756

Der gesamte Spieler hat das stattliche Gewicht von 11kg, aber die Masse tut ihm gut.
Den SME Arm habe ich mit in das Corian geschnittenen M3 Gewinden aufgebaut, was sich sehr bewährt. Die Originalschrauben reissen in Corian ab!!!

DUAL ESD900 D3C3745

Herausfordernd beim Aufbau ist die Anpassung der Tonarmhöhe zur Plattentelleroberfläche, um die Höhe des Tonabnehmers so zu justieren, das VTA und andere Parameter sauber einstellbar sind.

Dazu habe ich in das Corian eine 3cm breit Nut in den Aussenmassen des Tellers gefräst, so dass der Teller möglichst „tief “ kommt.

Erst mit dieser Massnahme und der Justierbarkeit von Teller/Motorhöhe und Tonarmhöhe ist ein korrektes Zusammenspiel möglich.

Das akustische Ergebnis zeigt, dass meine Freunde mit dem Konzept nahe am Ideal sind.

Der Nachbau spielt elegant, leichtfüssig, musikalisch und macht in Bedienung und Betrieb Spass!

Und: das viel geschmähte MM Prinzip – hier in Form des lendären ADC26 oder des Grace 9L –  fährt zur Höchstform auf.

Offensichtlich stimmt – wieder einmal – die Kette, und das macht ein sehr gutes Endergebnis.

Dortmund, 20.7.2017

Mein Dank an die HiFi Freunde, mit denen ich das Prinzip lange diskutiert habe und die auf Ihre Weise viele Tips und Tricks eingebracht haben, die hier umgesetzt sind.