RIAA Röhre mit steilen Pentoden im Triodenmodus

Die MTA Kette hat es in sich.
Der Anspruch steigt und die Kette verlangt Neues, insbesondere, wenn die Quellenstärke nicht mehr passt.

Bis zum Umstellen auf MTA Preline und MTA Amp lief eine hervorragende RIAA (passives Netzwerk), die aber auf Grund Ihrer niedrigen Verstärkung ein Aufziehen der Preline bis fast zum Anschlag verlangt.

Auf der bekannten E88CC basierend spielte sie musikalisch vorbildlich und gibt ein hohes Nivau vor.
Ein guter Freund hatte sie mir entworfen, und bis dato war ich wirklich glücklich damit.

Aber die mangelnde Verstärkung nebst Rauschen trieb mich an, mich auf die Suche zu machen……….

Was stand im Pflichtenheft:

beschaffbare Röhren ohne exorbitantes Preisniveau
Verstärkung die der Signalstärke von CD Player, DAC oder Bandmaschine entspicht
– MM, da ich an der Röhrenkette nur MM System und MI Systeme benutze
Rauscharmut
Brummfreiheit
Musikalität

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Irgendwann stiess ich bei der Internetsuche auf die Seiten von Alex Kriegel, der mich u.a. wegen des MTA Konzeptes kontaktiert hatte – sozusagen als Mitstreiter.

Als Besitzer eines wahren Röhrenberges macht es ihm diebischen Spass, mit Exoten raffinierte Schaltungen zu entwerfen, zu messen und zu testen.

Und da taucht ein RIAA Typ auf, der mich sofort neugierig machte.

2 Pentoden, als Trioden geschaltet, sehr steil, hoher Durchgriff, entsprechend Verstärkung auf einem anderen Niveau.

Auch an verschiedenen anderen Stellen des inet tauchten auf einmal Schaltungen auf, die sich nur in Details unterschieden.

Ein passives Netzwerk, keine Rückkopplung, stabile Schaltung…………

Irgendwo vermutete ich aber einen Haken, und der kam in der Tat in Form eines Beitrages zum angepeilten Röhrentypen.
Die Röhre gilt als Mimose, wurde ursprünglich für den Postbetrieb entwickelt und hergestellt.
Also stabile stationäre Bedingungen, keine Erschütterungen, spezifizierte  Rahmenbedingungen……..

Freunde hoben warnend den Finger, zumal niemand saubere Päärchen laufen hatte, geschweige denn ein Quartett, das ich ja nun brauchte.

Aber einmal neugierig geworden, überschlug ich dei Kosten und entschied mich, allen Warnungen zum Trotz, loszulegen.
Ein Quartett der Röhren fand ich zeitnah in der Bucht – und wie immer gleich einen netten Kontakt unter Röhrenbauern……..

Erst kam die Grabbelkiste dran:
Trafo für die Anodenspannung war da, ebenso ein 9V Trafo für die DC Heizung.

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Das Netzteil konnte ich aus der MTA Preline nahezu unverändert übernehmen, die Anodenspannung lag lediglich 15V niedriger, was sich durch die Längswiderstände mit Erhöhung der Dämpfung problemlos rechnen und bauen liess. ( www.audionist.de )

Neu war eine DC Heizung mit einer Softstartschaltung (ca. 40 Sekunden Anheizzeit) und sehr fein einstellbarer Heizspannung.
Aber wenn schon empfindliche Röhre, dann sollte das drin sein.
Als wichtig stellte sich heraus, dass 9V AC anliegen sollten, damit die Schaltung läuft, aber keine höheren Spannungen, da die Verlustwärme trotz Kühlkörper den LM 317 in die thermische Abschaltung treibt.
Ca. 1,3 A mussten bewältigt werden.
Ansonsten ist der Softstart als Schaltung in den LM317 Dokumenten sauber beschrieben.

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Die RIAA-Platine mit den 4 Novalfassungen war zügig entworfen.
Wegen der hohen Verstärkung achtete ich auf kurze Wege, die gridstopper wurden direkt auf die Fassung gelötet, zentral zieht ein dickes Masseband „durch“ die Platine.

Neue Wege bin ich beim Aufbau gegangen:
die Trafos liegen direkt hinter der Frontplatte, sie werden über eine Relaisschaltung – wie bei allen anderen Geräten – potentialfrei geschaltet.

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An die Trafos anschliessend habe ich eine doppelseitig Cu-kaschierte Paltine senkrecht und quer aufgestellt, die auf der trafozugewandten Seite das Anodenspannungsnetzteil trägt und auf der Rückseite die Heizungsversorgung mit Anlaufschaltung.
Diese mechanische Konstruktion hat schirmende Wirkung, wie auch der Aufbau der RIAA Platine auf einer Alu-Platte.

Die eigentlich RIAA Platine ist liegend verbaut, mit den Eingangsbuchsen (SMB) der Rückseite zugewandt. So ergeben sich sehr kurze Signalwege.
Die Platine ist auf M3 Gummidämpfern gelagert, um die Platine frei schwingen zu lassen (mechanischer Schutz der Röhren und Mikrofonieprophylaxe)

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Die Front- und Rückseite habe ich mit MPX und gefrästen Aluplatten gestaltet.

Der gesamte Aufbau gestaltete sich im Holzchassis unproblematisch und mechanisch ausserordentlich robust.

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Nach einigen Stunden Aufbauarbeit erfolgte eine ungewöhnlich unproblematische Inbetriebnahme.

Zunächst höre ich gar nichts. Einfach Stille, kein Rauschen, kein Brummen, nichts!

Ja, ja, wieder Fehlersuche, etc,……..

Nein, weit gefehlt! Nach Absenken des Tonarms kam Musik!! Und wie!

Knackige Bässe, sehr dynamisch, dabei aber auf den ersten Eindruck musikalisch und detailliert.

Eine Platte nach der anderen wanderte auf den restaurierten TD 126, und das Ortofon VM silver lief am oft geschmähten TP 16 zur Hochform auf.

Ja, so hatte ich mir das vorgestellt – aber nicht auf Anhieb erwartet.

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Schnell noch nachgemessen, symmetrische Spannungen (215 V) vor den Anodenlastwiderständen, und +- 0,8 V Anodenspannung an allen Röhren.
Der Kauf schien sich gelohnt zu haben, kein Ausfall.

Mal schauen, wie sich das in den kommenden Tagen entwickelt, aber aufs erste bin ich hochzufrieden und habe eine RIAA, die signalmässig auf CD Niveau agiert.
Also kein Hochdrehen/Runterfahren des Lautstärkepotis mehr…….

Nachbauen lohnt, zumal die Röhren noch passabel zu beschaffen sind.

Dortmund, 28.04.2018