Neuaufbau Lenco L75

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Nach dem erfolgreichen Wiederaufbau des Thorens TD 124 wollte ich noch nicht einmal so tief in die Tasche greifen, aber in das Wohnzimmer sollte ein passender Plattenspieler – und es sollte ein Reibradler sein!!

Recherche, viele Meinungen, aber der Lenco schien mir eine passende Wahl.
Für knapp 150 € wechselte er den Besitzer, der einfach wissen wollte, was an den Gerüchten dran ist, dass der Lenco letztendlich auf Grund es Motorkonzeptes ein guter Dreher sei.

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Steigt man in die Tiefen des iNet ein, findet man unzählige Tips und Aufrüstoptionen.
Ich wollte es aber auf das sinnvolle und notwendige beschränken, um beurteilen zu können, ob sich dieser Veteran lohnt.

Die ersten Massnahmen nach dem Eintreffen des gut verpackten Paketes waren die Überprüfung der Motorlautstärke, des Rumpelns und des optischen Zustandes.

Bei letzteren fiel der Spieler glatt durch, beim Check des Motors war ich wohlgemut, das könnte was werden.

Faszinierend ist ja die senkrechte Anordnung des Reibrades, dass sich nach Überarbeitung und Tuning als durchaus brauchbar herausstellte.
An einer konischen Achse angetrieben sind „stufenlose“ Geschwindigkeitsanpassungen möglich.
Das ist mir von keinem anderen Spieler bekannt.

Also folgte das übliche Spiel:

– Zerlegen bis in die letzte Schraube

– Zerlegen der Plattentellerachse und Aufarbeiten von schwergängiger Achse mit den üblichen Tricks

– Zerlegen des Motors in die Einzelbestandteile, Reinigen und nach Aufarbeitung der Sinterlager penibler Zusammenbau und Auswuchten

– Abbau des Originaltonarmes und Ersetzen durch den vorhandenen MicroSeiki MA505.

Dämpfung des tragenden und weiterverwendeten Chassis

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Da es zum „Klingeln“ neigt, wurde es an den freien Stellen mit Bitumenmatte beklebt. Das hat dem Chassis das Klingeln gründlich abgewöhnt……

– Aufbau eines neuen Chassis

– Verwendung des MPX Bausatzes der Firma Ebel Holztechnik. Es entstand ein sehr netter Kontakt…….

Beim Aufbau ist mir dann aber ein kapitaler Fehler unterlaufen.
Es handelt sich um 6 einzelne Multiplexplatten, die passend gefräst sind und miteinander verleimt werden müssen.
Paarweise habe ich ich sie mit einem Spezialleim verklebt, und bin sorgfältig von unten nach oben vorgegangen.

Einen Augenblick geschlafen und schon hatte ich die oberste und entscheidenende Lage spiegelverkehrt geklebt.
Eine nette Anfrage zwecks erneuten Fräsen der obersten beiden Platten hätten (nachvollziehbar) die Hälfte des Gesamtsatzes gekostet.

Eine Nacht drüber geschlafen, dann fiel mir eine Lösung ein:

…ich hatte noch zu Experimentierzwecken für meine Portalfräse ein Stück Corian© Platte liegen, die von den Abmessungen passen würde.

Also wurde die oberste Lage kopiert.

Die Aussenabmessungen erfolgten mit einem Bündigfräser samt Anlaufring, der innere Ausschnitt von Hand mit der Festo Stichsäge……..

Trickig ist das Verkleben von Corian mit Holz. Da musset eine Polyurethankleber her, den ich von meinen Quads kannte.

Ehrlich gesagt hatte ich an den Erfolg dieser Zwangsmasnahme nicht so ganz geglaubt, aber es klappte unglaublich gut.

Bei schönen Sonnenwetter erfolgte der schrittweise Aufbau auf unserer Terasse.

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Um die Lage des MPX Holzes immer schön passend zu halten wurde aus dem Rahmenbau die Spannungsgurtung verwendet, ansonsten jede Menge Zwingen.

Sowohl der der verwendete Leim als auch der PUT von 3M bewährten sich.

Nach Abwarten der Aushärtezeiten erfolgte mit einem Festo Rotationsschleifer das Aufarbeiten der Seiten incl. der deckenden Corian Platte.

Glatt wie ein Kinderpopo und optisch sehr ansprechend entwickelte sich die Zarge.

Als Spikes wurden Sondermodelle der Fa. Ebel verwendet, die über spezielle Gewinde eingelassen wurden.

Später liess sich der Spieler so problemlos ins Wasser bringen.

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Dann erfolgte der Einbau des Tonarmes ( Mikro Seiki M 505A) , den ich angesichts seiner unkomplizierten Einstellmöglichkeiten und seines neutralen Verhaltens sehr schätze.

Die alte Tonarmaufnahme konnte verwendet werden, ein Stücl Bitumenmatte entkoppelte, von unten erfolgte die Anpassung mit einem eigens gefrästen Stück Adapterholz.

Abschliessend wurde das Corian von Hand mit 800 Schleifpapier oberflächenverdichtet und die Elektrik nach aussen geführt.

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Optisch gefiel mir das Ergebnis auf Anhieb, aber was nützt das, wennn  der Klang es nicht wiederspiegelt?

Doch bevor ich auf diesen „subjektiven“ Befund eingehe noch eine Zusammenfassung der einzelnen Restaurationsschritte:

– komplettes Zerlegen und Wiederaufbau

– Bedämpfung an entscheidenden Stelle

– Neuaufbau einer 12 kg schweren Zarge

– Montage eines neuen Tonarmes

Neuaufbau eines Netzteils zur Erzeugung des ursprünglich vorgesehenen 220V / 50Hz Netzstroms

Dann wanderte das Trumm an die Anlage:

erster Gedanke:
läuft der Motor überhaupt, so leise wurde alles

dann die erste Platte: Donnerwetter, was für ein Klang für einen 200 € Spieler (mehr steckte ja noch nicht drin)

Mit jeder weiteren Umdrehung dann bass erstaunt, wie direkt und musikalisch das Schätzchen ist. Typisch Reibrad!!!!

Um die eingangs gestellte Frage zu beantworten:
ja der Wiederaufbau lohnt sich und für die Investition dürfte es schwer sein, in dieser Qualität etwas adäquates zu finden!!

Lenco fertig DSC9723Und hier noch ein Ausblick auf ein unmittelbat gekoppeltes Thema:
wie versorge ich alte Motoren mit den Spannungen und Frequenzen, mit denen sie ursprünglich spezifiziert waren.

Und wirkt sich das klanglich aus??

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Dortmund, Himmelfahrt 2017

Quellen:
Holztechnik Ebel, Zargen und Gehäuse
Klebetechnik 3M
Lencoheaven.com
Corian Material

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