TD124 – das vollkommen unterschätzte Stufenpulley

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Einleitung:

Einmal Thorens TD 124 und immer wird geforscht, getunt, verbessert,…..die ewige Baustelle.

Dies oder ähnliche Kommentare geistern durch die Gazetten, setzt man sich mit diesem famosen Spieler auseinander.
Warum:
der Thorens TD 124 ist meines Erachtens eine Diva oder eine „Prinzessin auf der Erbse“.

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Nebengeräusche:

Seit mehr als einem erfreue ich mich an seinen Spieleigenschaften (siehe andere Artikel), aber dennoch blieb immer etwas Unzufriedenheit oder besser Unsicherheit: die Nebengeräusche!!

Trotz zerlegten Motor, trotz sorgfältig aufgearbeiteter Tellerachse, trotz neuen Schopperreibrad, trotz frischen Riemen war da etwas Störendes.
Lange habe ich es für „normal gehalten“, bis ich einen wirklich nahezu lautlosen Garrard 401 hörte.

Wieder und wieder habe ich den Riemen, das Pulley justiert, und es war unüberhörbar:
ein flatterndes Rauschen, ein Geräusch, wenn Metall auf Metall läuft.
Bis zu einem Meter Abstand war es hörbar.
Es hatte fast einen oszillierenden Charakter, schwer zu beschreiben…….

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Bei der Suche mit dem Stethoskop wurde es immer klarer:
es musste das Stufenpulley sein, das seinen Antrieb vom Riemen erhält und das Reibrad antreibt.

Immer wieder ausgebaut, poliert, das obere Sinterlager sorgfältig gereinigt und poliert blieb das Phänomen.

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Lagerspiegel:

Dann stiess ich auf eine Nebenbemerkung, dass das Lager dieses Stufenpulley einen Lagerspiegel habe.

Den Begriff kannte ich bis dato nicht. Also erst mal schlau gemacht und dann besagten Spiegel gesucht.

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der leiseste Spieler im ganzen Land“??

Höhenverstellung des Stufenpulley:

Das Stufenpullex bedarf ein bisschen Erklärung.
Aus dem Vollen gefräst ist eine mit einer zarten Achse in eine Lagerhülse eingelassen, und kann von unten mit einer Stellschraube in der Höhe angeapsst werden, damit das Reibrad exakt auf den Geschwindigkeitsstufen läuft.

Nun wollte ich das Lager mal „von unten sehen“ und drehte die Stellschraube samt Kontermutter einmal ganz heraus.

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Und was kam dabei zum Vorschein: der Lagerspiegel.

Ein unscheinbares Metallplättchen, etwas weicher als die Achsspitze des Pulley.

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Der Schaden:

Bei genauen Hinsehen blitze dann der Gedanke auf: jetzt habe ich es!!
Ein winzige „Delle“ im Zentrum des Lagerspiegels auf der achszugewandten Seite.
Hier hatte der Zahn der Zeit gearbeitet!!

Die Lösung:

Also den Spiegel gewendet, auch die untere Hülse des Lagers sorgfältig gereinigt, ein Schlückchen Sinterlageröl und das Stufenpulley neu justiert.
Den Riemen drauf, Reibrad eingesetzt und los gings…..

Aber ich hörte nichts?!?

Doch alles lief, aber nun unhörbar – allenfalls ein leises Sirren des Motors.

Dem TD 124 hatte ich echtes Schweigen beigebracht!

Was für ein Augenblick!!

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Fazit:

Die Antriebseinheit muss immer als Ganzes gesehen werden – als ECHTE Einheit.
Und dazu zählen neben dem sorgfältig revidierten Motor, einem frischen Riemen, einem exakt laufenden Reibrad das Aufarbeiten des beschriebenen Stufenpulleys.

Gerne gebe ich das auch bebildert weiter, da ich kaum in den üblichen Quellen Beschreibungen dieses äußerst bedeutsamen und dennoch unscheinbaren Bauteils gefunden habe.
Selbst im englischen Servicemanual ist dieser Lagerspiegel nicht beschrieben!!

Warum bleibt ein Geheimnis der Thorensianer.

Nun bin ich endgültig glücklich mit diesem Spieler!!!!

Und das Ganze wird in den kommenden Tagen getoppt, wenn das Sinusnetzteil Nr.2 an den Start geht.
Dann wird der Thorens wieder mit Nennspannungen laufen!!
Und das soll ihm nach einschlägig professionellen Kommentatoren gut tun…….

Dortmund, 4.9.2017

 

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