Michaelson & Austin TVA-1 —- Revision

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Mit dem Umbau auf die stacked quads kam zwangsläufig die Frage auf, mit welchem Verstärker diese impedanzkritischen Elektrostaten betrieben werden können.
Die Recherche auf den Originalseiten der Firma Quad „spuckte“ dann als einen der wenigen empfohlenen Verstärker die TVA-1 aus.

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2014 machte ich mich auf die Suche, wohlwissend, dass lediglich ca. 2000 Geräte produziert wurden.

Wie der Zufall es wollte, bot im Nachbarort jemand genau diese Endstufe an.
Mit fröhlicher Musik gefüttert und an silverstatic-Systemen betrieben, gefiel mir die Endstufe auf Anhieb (übrigens auch optisch).

Aber ich hatte die Katze ein bisschen im Sack gekauft. Die bereits spielende Musik liess mich in der Kaufsituation ein Sache nicht wahrnehmen:

– die Endstufe machte ordentlich mechanische Geräusche

– der Netztrafo „brummte und zirpte“ kaum zu überhören

– der Netztrafo wurde im Laufe der ersten Stunde sehr warm (!!!) bis heiss!

Nun ja, als Amateur mit Null Röhrenerfahrung machte ich mir erst mal keine Gedanken, aber seit dem Betrieb der stacked quads an einer Pass Aleph J und später einer Pass XA30.8 fristete die TVA-1 nur noch ein Schattendasein.

Bis ich auf den Geschmack gekommen immer mehr Röhrengeräte hörte, baute und revidierte.

Mit der Revision der V69a Telefunken Studioendstufe machte ich dann die entscheidende Erfahrung, die der TVA-1 wieder neues Leben einhauchen sollte.

Die Netzteilversorgung und Stromlieferfähigkeit der Netzteile sind bei Leistungsverstärkern dieser Art ein zentraler Punkt.
Der Blick auf den Stromlaufplan offenbart recht schnell, wo Schwächeln angesagt sein könnte:

Michaelson and austin rev. drawing2016 incl componentlist

Bereits im überarbeiteten Schaltplan eingezeichnet sieht man die Dioden des Gleichrichterteils, die Siebelkos und diverse „Kleinteile“ um die Gleichrichter herum.

Genau diesen Bereich knöpfte ich mir vor, u.a. auch mit dem Satz im Hinterkopf, den mir ein Freund mit wesentlich mehr Erfahrung gab: „schmeiss alles raus, was nach „Spezialität oder Sonderanfertigung“ aussieht….“

Also raus mit den Originaldioden, Ausbau der grossen grünen Elkos, die dem Verstärker das Gesicht verpassten und Einsatz moderner Halbleiter (Ultrafastdioden), Tausch der grossen Elkos gegen hochwertige Epcos-Typen und Wechsel aller „Kleinkondesatoren“ im Netzteilbereich.

Das war zum Teil trickig, da z.B. moderne Kondesatoren deutlich weniger Raum brauchen, aber in die Ringschellen „over board“ mussten.

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Auf dem Bild sieht man schön die modernen Dioden, die schwarzen Elkos sind getauschte, der gelbe steht noch an…..

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Ein weiterer „Defekt“ offenbarte sich beim Öffnen der Unterplatte: die Lastwiderstände waren mit Sekundenkleber geklebt und hatten sich unter der Temperatur komplett von der Stahlplatte gelöst………

Daraufhin habe ich sie mit Spezialkleber verklebt, mit dem sonst Kleinstkühlkörper auf Halbleiter geklebt werden.

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…..die „kleinen Epcos Elkos an Stelle der berühmten „grünen“

Und dann natürlich die spannende Frage: was hat das gebracht?

1. Beim Einschalten dachte ich, etwas sei defekt, weil ich den Trafo nicht mehr hörte!!

2. Nach Aufheizen der KT66 und Neueinstellung des BIAS war nur noch ein leises Summen des Netztrafos zu vernehmen, das nicht störend ist!!!

3. Der Trafo wird auch bei mehrstündigen Betrieb nur noch handwarm

4. Der Klang hat sich famos verändert. Die Stufe spielt frischer, lebendiger, offener – einfacher deutlich besser als vorher.

Das Ganze hat sich so schön entwickelt, dass ich nach Genre der Musik, Tagesform und Lust an der Röhre inzwischen immer wieder die TVA-1 laufen lasse, und mich wirklich freue, wie gut die Quad-ESL 57 stacked an diesem Verstärker laufen.

Wer also so ein gutes Stück ergattern kann oder stehen hat, tut gut daran, diese wenig aufwändige Revision vorzunehmen.

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Für mich bedeutet es auch, als erstes beim Erwerb von Röhrengeräten auf den optischen, mechanischen und elektrischen Zustand der Netzteile zu achten.
Der Ersatz älterer Bauteile kann so einem Schätzchen ordentlich auf die Sprünge helfen!!
Aber der Netztrafo muss in Ordnung sein, da in vielen Fällen kein 1:1 Ersatz mehr möglich ist

Dortmund, 03.12.2017

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