Thorens TD 124 Mk1 – Motorrevision

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…ohne Motor läuft er nicht – so einfach ist das.

Könnte man meinen, aber es ist etwas komplexer.

Der TD124 wurde ursprünglich mit dem berühmten E50 Motor ausgeliefert und nach dessen Produktionsende durch den Pabst-Aussenläufer ersetzt.
Ein 220V Motor mit zwei Wicklungen, oberen und unteren Lager, der auf der Zentralachse befestigt das Pulley antreibt.

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Dieser Motor gilt als Herz des TD124.
Und wenn ein Herz Rhythmusstörungen oder ein reduziertes Leistungsvermögen hat, dann hat der Spieler ernsthafte gesundheitliche Probleme.

So auch bei diesem. Erst einmal lief der Motor gar nicht an.
Das lag aber an einer „ausgeleierten“ Feder, die den Zentralschalter betätigt.
Das war mittels Voltmeter schnell klar und auch rasch behoben, indem die Feder getauscht wurde.

Aber dann lief das gute Stück nur sehr zäh an, und bei Drehen des Motors am Pulley war klar: hier hakt etwas…. zäh und klebrig fühlte es sich an.

Durchstöbert man das Internet nach der Revision dieses Motors, so findet man eine Reihe wirklich guter Dokumentationen. Also ran an den Speck.

Zunächst gilt es den Motor „elektrisch“ auszubauen. Dazu habe ich die 220V Zuleitung, einen 33kOhm Widerstand für die Stroboskopbirne, sprich 3 Kabel abgelötet und genau dokumentiert, wie die Verkabelung funktioniert.
Es sind ja 11 Strippen, die hinterher leicht vertauscht werden können, und dann??

Um den Motor auseinanderzunehmen müssen diese 8 Litzen (2x rot, 2 x gelb, 2 x grün, 2 x schwarz) von der Trägerplatine abgelötet werden. Glücklicherweise existieren gute Stromlaufpläne, notfalls einfach fotografieren.

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Dann müssen die 4 langen Schrauben gelöst werden, mit denen die beiden Deckel den Anker zwischen den Wicklungen halten.
Manchmal sitzen diese Schrauben ekelig fest, aber mit WD40 bekam ich es diesmal gut „geknackt“.

Zerlegt hatte ich dann besagte 4 Schrauben samt Muttern, oberen und unteren Lagerdeckel, den Anker und die Wicklungen vor mir liegen.
Die zentrale Achse war verklebt und wurde hochglanz poliert.

Da das untere Lager „versottet“ war, musste ich es öffnen.
Dazu müssen die Nieten „gesprengt werden, was auf einer Ständerbohrmaschine mit einem scharfen 3,5mm Bohrer geht.
Aber vorsicht: nur die Niete sprengen, NICHT durchbohren.
Dabei zerfällt das untere Lager in seine Bestandteile:

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– oberer Motordeckel mit oberen Lager (musste nicht revidiert werden)

– unterer Motordeckel
– dazu oberer Lagerdeckel
– Sinterlagerhülse
– obere Filzscheibe
– Rückhaltering
– untere Filzscheibe
– Lagerkugel (entscheidend wichtig diese nicht zu verbummeln)
– unterer Lagerdeckel mit Lagerspiegel

Alles musste von verfetteten Öl befreit werden, sorgfältig gereinigt werden und dann das Lager für eine M3 Verschraubung modifiziert werden.

Behutsam werden die ursprünlichen Nietenöffnungen auf 3mm erweitert, ebenso die Aufnahme des Motorgehäuses.

Der Zusammenbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge nachdem das Sinterlager und die Filzscheiben behutsam mit einem speziellen Öl betränkt wurden.

Auf dem unteren Bild sieht man die durchgesteckten M3 Schrauben ……

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Mit dem oberen Lager ist entsprechend zu verfahren.

Beim Zusammenbau ist viel Fingerspitzengefühl erforderlich, ein Stehtoskop hilfreich, um den Motor ohne Unwucht und möglichst spielfrei laufen zu lassen.

Aber mit Geduld ist das möglich.
U.a. zeigt sich nach Anlaufen des Motors und provisorisch montierten Pulley eine Nachlaufzeit von 20 -30 Sekunden……..
Und der Motor wird beim längerem Lauf nicht mehr heiss sondern allenfalls handwarm!!

Derart aufgearbeitet steht einem vernünftigen Betrieb nichts im Wege.
Aber dran denken: je unrunder der Motor läuft um so heftiger sind die späteren Rumpel- und Nebengeräusche…..

…weiter geht es mit der Revision der Antriebseinheit…

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