Thorens TD 124 Mk1 – Wiederaufbau und Fazit

DSC0454TD124 MK1

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Das ist dann immer die spannende Phase, wenn es um den endgültigen Wiederaufbau geht.

Was bleibt über? (ich habe es noch nicht geschafft, alles zurückzubauen, irgendwie vermehrten sich die Teile)

Läuft alles?

Ist die Funktion wie am ersten Tag?

Das ist ganz klar mit „Ja“ zu beantworten.
Dieses Gerät ist das Musterexemplar, warum mir das restaurieren des „alten“ analogen Equipments so viel Spass macht.
Die damalige Fertigungsqualität und Präzision ist einfach überragend.
Vernünftig gereinigt und justiert sieht und funktioniert alles wie am ersten Tag.
Natürlich muss man schauen, wo der Zahn der Zeit genagt hat.
Das sind Korrosionen an Metallteilen, getrocknete Schmierstellen, vermutzte Lagerteile und -achsen.

So läuft der Teiler nur nach Reinigen der Lagerachse und Lagerbuchse bei 33,3 U/Min nach dem Ausschalten 120 Sekunden nach!!

Lediglich das Reibrad habe ich wegen der Härtung des Materials gegen das fabelhafte Reibrad von audiosilente getauscht. Die verwendeten O-Ringe sind tadellos, und mit dem „roten“ ring ist die Anlaufzeit ca. 1,5 Sekunden, dann steht das Stroboskop.

Bei der Motoraufhängung habe ich viel experimentiert, es diesmal so gehalten, dass ich die Gummidämpfer nur in Platenclene über Nacht „baden“ lassen.
Hörbare Motorgeräusche werden nicht übertragen! Deshalb habe ich auch auf die Doppeldämfung und Verlängerung der Motoraufhängung verzichtet.

Ob ich den Tonarm in der Praxis verwende, weiss ich noch nicht. Ein SME 3009 wird als Konkurrent die Messlatte legen, das braucht aber Zeit und viel Hören bekannter Platten.
Die Revision des Armes ist zeitaufwändig und herausfordernd. Alternativmaterial (headshell, Gewichtsaufnahme, Federeinstellung) lassen den Arm nicht mehr ganz Original sein. Aber so funktioniert er prima.
Der Wechsel der Vertikallager ist noch eine Option, aber Zukunftsmusik.

Wie klingt der restaurierte Spieler?

Für die Beantwortung der Fragen lasse ich mir ein bisschen Zeit und den Höreindruck sacken.

Aber so viel vielleicht am Tag der Fertigstellung:

– die Optik gefällt mir super, der Spieler sieht edel aus und quasi „wie neu“ – die 61 Jahre sieht man ihm nicht an (im Gegensatz zu mir)

– alle Funktionen laufen perfekt, auch die Auflagekrafteinstellung, und das erstaunlich präzise und stabil

– Der TD124 spielt mechanisch ab 20cm lautlos

– der Gleichlauf ist perfekt

– der Klang:
kein Brumm, kein wesentlich hörbares Rumpeln, musikalisch…. Aber dazu später mehr, wenn ich das richtige Tonabnehmersystem gefunden habe…..

Dortmund, 5.7.2018

Tonarmvergleich:

BTD-S oder SME 3009 MK1?

Das fällt eindeutig derzeit zugunsten des SME aus. Ob es das fehlende Antiskating des BTD ist oder die noch alten Lager des BTD weiss ich nicht. Der SME klingt frischer und lebendiger.

Welcher Tonabnehmer:

Das kann ich nach Einsatz verschiedener System heute klar beantworten:

Ortofon Valencia in Ortofon Holz Headshell am SME 3009. Ganz frisch, frei und in Basspassagen sehr durchsichtig. Das passt!!

Vergleich der Spieler Mk1 gegen MK2:

Auch das ist erstaunlich: der MK1 mit dem „kurzen“ Tonarm gewinnt.
Der Spieler ist frei von Rumpeln, läuft noch eine Spur leiser und scheint mir musikalischer.
Erstaunlicherweise, obwohl
– die Motordämpfung/Aufhängung „einfach“ ist
– das Audiosilente Reibrad statt des teuren Schopper Reibrades läuft
– die Aufnahme für das Tonarmbrett beim TD 1 kleiner ist
– ein 9 Zoll Arm anstelle des 12 Zoll SME läuft

Es überrascht mich, ist aber nicht wegzudiskutieren.

Möglicherweise ist es der totalrevidierte Motor des Mk1??

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…der nun fertige Spieler mit SME 3009 auf einem Corian Tonarmbrett mit Ortofon Valencia

Dortmund, 11.7.2018

Und noch ein weiteres Fazit (manchmal dauert es etwas):

Mit dem BTD-12s wollte ich es doch noch einmal genauer wissen. Irgenwie leuchtete es mir nicht ein, dass er klanglich das Erwartete nicht hergab.

Also noch einmal ran:

– Kompletttausch aller Kugeln des Vertikallagers (jeweils 9 Stück 2mm von FAG)
– unter dem Auflichtmikroskop sorgfältiges Reinigen und Neuausrichten des Horizontallagers
– penible Justage und Ausrichtung des Kardanlagers unter Sicht
Rückbau der alten Headshellverbindung nach Reinigen und Aufarbeiten der Kontakte mit Widerstandsmessung
– damit wieder Originalgeometrie

Und siehe da, mit diesen Massnahmen spielt der Arm mit einem Grado Sonata MI mit 4mV Ausgangsspannung am MM Eingang meiner D3a Vorstufe mustergültig (sozusagen zum Verlieben schön).

SME und BTD sind gleichauf, die Optik des BTD entspricht meinem Geschmack nach Original!

Dortmund, 15.7.2018

Quellen:

audiosilente (Reibrad, Innenverkabelung, Headshelladapter, evtl. Motoraufhängung)
Graupner Modellbau (Neoprenschlauch 3/5mm)
Toom baumarkt (Fahrradflickmaterial)
Platenclene
ATU Lackgrundierung und Lack schwarz glänzend
Vinylengine.com
Thorens.info
Sommer Kabel Albedo
Grado Tonabnehmersysteme
thakker.eu Riemen

Mein ausdrücklicher Dank gilt dem noblen Spender dieses famosen Plattenspielers !!!

 

 

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