Ripol nach Axel Ridtahler

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…noch ein Schallwandler? Warum denn das??

„…..wer viel misst, misst viel Mist!“
Eine alte Technikerweisheit.
Hätte auch fast gepasst, wenn ich nicht folgende Messung im Wohnzimmer gemacht hätte:

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Die Messung zeigt einen „sweep“ an den Altec 604-HIII, die an der V69a als Röhrenstudioendstufe laufen.

Das Messmikrofon war 2cm vor das Basschassis positioniert, und zeigt den Altec-typischen Abfall ab 60Hz (ca. -10dB/10Hz), andererseits den relativ linearen Verlauf bis zur Übergabefrequenz von 1550 Hz.
Der Kurvenverlauf oberhalb von 1500 Hz ist nicht echt, da das Mittel/Hochtonhorn nicht im Messbereich des Mikros lag.
Trotz neuer Weiche nach Markwart (eigenens Thema!) und modifizierten Bassreflextunnel wollten sie nicht so, wie ich wollte.
Unterhalb von 60 Hz gings steil bergab. Und in einem grösseren Raum bemerke ich das eher, als im kleineren Hörraum.

Das hörte ich, wobei ich natürlich weiss, dass ältere Ohren eine Loudnessregelung bräuchten……
Letztendlich zeigte die Messung aber das Kernthema………

Und das war nicht dem Raum geschuldet, das ist eher das Phänomen fast aller Breitbänder, incl. auch der Quad ESL57, von denen ich das Phänomen bereits kannte.
Der Bassbereich kommt „zu kurz“, entweder aus physikalischen Gründen (Quad) oder weil der besagte Abfall vor allem bei leisen Lautstärken zum Tragen kommt. Hinzu kommt auch die Eigenart mancher Verstärker, unterhalb von 60 Hz einfach Leistung zu verlieren!!

Langer Rede, kurzer Sinn:
ich wollte mehr Fundament und die Altecs 604-HIII samt V69a entlastet haben, da sie ja vom unteren Mittelton bis nach oben famos spielen.

Bereits bei den Quads habe ich auf die Ripol-Lösung von Axel Ridtahler zurückgegriffen.

Warum Ripol?
Einmal gehört mussten sich in meinen Ohren alle „subwoofer“ Lösungen verstecken: knackig, trocken, nicht dröhnender Bass und eine wesentlich besser Auflösung des Gesamtklangbildes,……

Zum Prinzip des Ripols gibt’s einiges nachzulesen, am Besten auf der Seite von Axel Ridtahler, der seine geniale Idee glücklicherweise hat patentieren lassen.

Wirklich genial!!

Kurzentschlossen habe ich ihm die Mess-Schriebe geschickt und um einen Lösungsvorschlag gebeten.

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Einige mails hin und her und das Lösungsangebot stand:

Ripol mit 15 Zoll Chassis

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Weiche nach Axel Ridtahler (Kooperation mit RMS)

Class D Verstärker als treibende Kraft

Kritiker werden an dieser Stelle sagen:
Chassis besorge ich selber, und das bisschen Gehäuse kann jeder berechnen.
Dafür zahle ich nicht?!?
Und noch eine teure Weiche?? Wer sich mit elektronischer Weichentechnik auskennt (ich hatte eine nach N.Pass bereits laufen) weiss, dass das technisch sehr herausfordernd ist, vor allem wenn es um Linearität über den gesamten Bereich geht!!

Mag sein, aber es gibt m.E. mehrere Gründe den Weg anders zu gehen:

– Axel ist ein netter und äußerst hilfsbereiter Zeitgenosse

– er geniesst einen sehr guten Ruf

– der Ing. kommt an jeder Ecke zum Vorschein, ohne es „raushängen“ zu lassen

– schnelle, unkomplizierte Kommunikation und Unterstützung zu jeder Zeit

gute Ideen sind ihr Geld wert!!!

– die Chassis werden gemessen und damit optimiert gepaart (alleine das kostet eine Menge Zeit!)

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Ende September standen dann nacheinander 3 Pakete im Haus:
4 Chassis a 15 Zoll, die kleine aber feine Ridtahler Weiche.

Dazu eine präzise Aufbauanleitung.
Zwischenzeitlich hatte ich einen Monoblock Hypex 400 Class D in ein Gehäuse gepackt.

Was nun anstand, war Tischlerarbeit im klassischen Sinne.
Gehäusebau für jeweils 2 x 19 Zoll Chassis nach dem Ripolprinzip.

Samstag morgen ging es los, folgendes Werkzeug war erforderlich:

Lamellofräser

Oberfräse samt Zirkeleinrichtung

Akkuschrauber

Leim

– Kaffee und Mineralwasser……. (kein Alkohol!!)

Die Holzteile aus 21mm Birkenmultiplex hatte ich mir wieder bei Holz Höttcke fertigen lassen.: echte Millimeterarbeit!!

Als erstes erfolgte „standardisiert“ die Lamellofräsung der 10cm/12cm breiten Zwischstücke.
2 an jeder „Ecke“ 1 in der Mitte (20er Lamello)
Dann wurden die Platten gegengefräst.

Mit gesteckten – aber noch nicht verleimten – Lamellos folgte das Fräsen der Chassisausschnitte nach den Ridtahlerschen Vorgaben.

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Zuerst auf der Innenseite der Aufnahmering für die Chassis, in den Rampamuffen vorgebohrt und dann eingeschraubt wurden.

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Tip: Rampamuffen mit Innensechskant!! Sie lassen sich nach 8mm Vorbohrung hervorragend eindrehen!!!

Dann der Ausschnitt des Korbes, anschliessend drehen der Ripolhälfte und Ausfräsen der Magnetaufnahme des 15 Zöllers.

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Alles Millimeterarbeit, aber nach den Ridtahler Vorgaben passt alles ohne Probleme!!

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Bevor es an das Verleimen der beiden chassistragenden Aussenteile ging, erfolgte ein „Trockenaufbau“, ob alles passte samt der Markierung für das Zusammensetzen der Teile……..

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Dann das stückweise Verleimen, an dessen Ende 3 Elemente vorlagen:

– 2 chassistragende Aussenhälften

– der verbindende Steg

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In der Originalaufbauanleitung erfolgt das Verbinden dieser 3 Teile mit Gewindestangen/Hülsen/Rampamuttern.

Das gefiel meiner Frau aber nicht, deshalb Umschwenken auf eine andere Lösung:

Man kann so einen Ripol prima als Kleintisch verwenden, deshalb bot es sich an, eine Deckplatte von innen zu verschrauben – ebenso eine Bodenplatte.

Und stehen sollte der Ripol ohnehin zwischen Altecbox und Sofa…….
Vorgespannt klappt das gut und man schafft noch zusätzliche Masse, was dem gehäuse gut tut.

Komplettes Verleimen verbietet sich, da man sonst „ohne Kettensäge“ nicht mehr an die Chassis kommt.

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So, und dann musste das Ganze vom kleinen Kellerraum in das Wohnzimmer.
Bereits bei Bewegen von der Hobelbank schwante mir etwas.
Das Ding ist hammerschwer!!
40 kg wollte die Treppe hoch“getragen“ werden, für einen Schmachtlappen, wie mich, fast zuviel…..

Aber das Ziel motivierte, kurzerhand kam ein Rollwagen zum Einsatz und dann ging es los:

schnell die Chassis provisorisch verkabelt (sie laufen parallel – also gleichsinnige Bewegung nach innen/aussen), die Ridtahlerweiche in den Signalweg, der Class D vor den ersten Ripol, Bass auf Mono geschaltet, die V69a an den Altec 604-HIII und los gings……..

– Übernahmefrquenz 65Hz (24dB Steilheit)

– Subsonic Filter 20Hz

– Boost +3dB

– Notch deaktiviert

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Eva Cassedy, The Best off: saß ein neuer Schlagzeuger im Team?!

Charly Haden + Pat Metheny: abgrundtiefer trockener Bass, tolle Auflösung

Mahler-Zinman-1. Sinfonie, 3./4. Satz: was für eine Auflösung, die Altec spielten eine super Bühne, Züricher Tonhalle im Wohnzimmer!
Und Kesselpauke und Bässe vom Feinsten (darf ich als ehemaliger Kontrabassist so von mir geben!)

Bach: Toccaten für Orgel: ….wie weit geht es eigentlich bei diesem Instrument runter?

Wer das liest, spürt meine Begeisterung:
das ist ein aufwändiges aber vollkommen richtiges Konzept!
Zum zweiten Mal lag ich richtig – glaube aber, dass der neue Ripol noch druckvoller spielt….

Das Hören macht mehr Spass, es klingt alles freier, „durchsichtiger“, entspannter.
Und die Tiefen sind wirklich tief!!!
Und die Altec an der V69a spielen freier  -obgleich nur ab ca. 60Hz entlastet.

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Was nun noch kommt, ist ein optisches „Nacharbeiten“, da ich natürlich als Hobbytischler den einen oder anderen sichtbaren Holzfehler produziert habe.

Aber das tut dem Gesamtergebnis keinen Abbruch!!

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Zum Nachbau dringend empfohlen – insbesondere wenn man keinen wummernden und dröhnenden Subwoofer mag sondern einen präzisen schnellen Bass, der mitspielt und NICHT dominiert!!

Dortmund, 1.10.2018

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