Trafo TFK BV.5112.65-06.7 – das Rätsel lösen

BV.5112.65 06.7

Wer sich mit etwas älteren Schaltungen beschäftigt, oder neu entworfene Netzteile mit wirklich guten Trafos beliefert, greift gerne zu den Altbeständen der Marken Telefunken oder Siemens.

Bei Telefunken fangen die Trafobezeichnungen mit BV. ……. an.

BV.5112.65 06.7

Aber die Biester haben eine unangenehme Eigenschaft:

– es lassen sich kaum Datenblätter auftreiben

– nach „befreien“ von anhängenden Platinen scheinen die Trafos nicht mehr zu funktionieren

– die Suche nach Fehlern kann zur abendfüllenden frustranen Beschäftigung führen……

Deshalb hier ein paar Tips an einem exemplarischen Beispiel.

Für eine RIAA Vorstufe benötigte ich einen Trafo, der ca. 275V AC, 6,3V Heizspannung und vielleicht noch etwas anderes liefern kann.

In der Bucht war schnell ein attraktives Angebot, 3 solcher Trafo für einen 20er zu erwerben (also 20 €).
Es war der abgebildete BV.5112.65-06.7

Gemacht, getan, ausgepackt und dann das Monster von Spannungswahl, dass im modernen Europa keiner mehr braucht.

Kurzerhand alle Anschlussdrähte nah an der Lötstelle abgeknipst, die Neuverdrahtung ist ja schön auf dem Trafo angegeben.

Denkste!!??!!

Dann das lange Gesicht: 235 V primär drauf – aber NICHTS, NULL auf der Sekundärseite.

Ohm-Meter an die Drähte der Primärseite, kein Druchgang (in dem Fall von weiss nach braun).

Es lohnt sich, einmal die herausgeführten Drähte genauer anzuschauen!!!

TFK Trafo DSC0921

– blau: 2 Kupferlackdrähte mit schöner Lackisolierung
– rot: 2 Kupferlackdrähte mit schöner Lackisolierung
– grün: noch einmal 2 Drähte??
– violett: noch einmal 2 Drähte

nur gelb-gelb, braun und schwarz als Einzeldraht????

Lediglich die Sekundärseite blieb in den Lötösen.

Wie entpuppte sich das Rätsel???

TFK Trafo DSC0922

1. ALLE Drähte sauber abisolieren, bis der Draht blank ist!!! Geht am besten mit Schmirgelpapier…..

2. die doppelt geführten Drähte verdrillen und verlöten!!

3. Den Wicklungs-Widerstand nun messen: und siehe da

– weiss ->blau : 14 Ohm

– weiss ->rot: 17 Ohm

…………

Aber immer noch war kein 220V oder 240V Anschluss möglich???

Dann kam mir die Idee, nach alten Schaltungen zu suchen, in denen der Trafo verbaut war, in diesem Fall das Magnetophon von Telefunken, eine röhrenbetriebene Bandmaschine.
Den Stromlaufplan fand ich auf www.hifiengine.com, das Bild unten ist ein Ausschnitt.

Und dort dann des Rätsels Lösung:

trafo

zwischen den beiden gelben Einzeldrähten war eine Sicherung (300mA) eingefügt, die die Wicklung vom violetten zum gelben und dann braunen Anschluss fortsetzte.
Die nicht benötigten freien Enden habe ich lackisoliert und dann in Schrumpfschlauch gepackt,

Glücklich, dass Wicklungsprinzip verstanden zu haben, macht der Trafo nun genau das, was er soll:
korrekte Sekundärspannungen liefern, die für das Projekt benötigt wurden….

TFK Trafo DSC0925

Dortmund, den 17.2.2019

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